Noch einmal auf Tour

Das Wetter in den letzten beiden Tagen war für einen kleinen Hobbyfotografen wie meiner einer ist, natürlich die perfekte Einladung mal wieder auf Tour zu gehen. Eine Tour auf der man sich auch einmal ein paar Gedanken über dies und das machen kann die einem manchmal so im Kopf rumgehen und die man einfach auch mal sortieren muss. Mein erster Weg führte mich gestern zur Kaiserpfalz  Kaiserswerth in Düsseldorf.  Die Ruinen der alten Kaiserpfalz liegen ruhig und ehrfürchtig vor einem und man hängt seinen ersten Gedanken nach.

Was fällt einem da so spontan ein??? Natürlich die letzten 5 Jahre die mein Leben so sehr geprägt haben wie die letzten 41 Jahre zusammen. 

Da waren die Erlebnisse vom 24.Juli 2010 in Duisburg die einen der größten Einschnitte in meinem Leben bis dahin darstellten. Auch heute 5 Jahre danach sind die Bilder dieses Tage noch im Kopf präsent, dieses Gefühl der Ohnmacht ob dessen was vor den eigenen Augen sich abspielte. Man fühlte sich wie in einem Kino in dem ein schlecht gemachter Katastrophenfilm abgespielt wird. Die Gedanken dass endlich der Vorhang fällt und das ganze einfach nur  vorbei ist. Er ist bis heute nicht gefallen.

Ich breche auf, der Ort hat seine Pflicht erfüllt.  

Es geht weiter auf meiner Tour, das Kalkumer Schloss und sein weitläufiger Park stehen auf dem Plan.  Das altehrwürdige Schloss im Düsseldorfer Norden liegt ob des Trubels der Landeshauptstadt um sich herum ruhig und gelassen vor einem. Im Innenhof ein paar Handwerker die das Gemäuer an dem der Zahn der Zeit nagt wieder in Schuss bringen. Im Park eine einsame Walkerin, ein paar Enten in und um den Burggraben herum.

Ich lasse mich auf einer Parkbank nieder, die Gedanken fangen an sich zu sortieren. 

Lange brauchte ich, mir selbst einzugestehen, das diese Ereignisse mehr als nur die üblichen, alltäglichen schlechte Erfahrung ist die einem im Leben wiederfahren. Doch war man nicht ein Kämpfer der sich von nichts und niemanden unterkriegen lässt??? Also Ärmel hochgekrempelt und das ganze auf der für einen gewohnten Art und Weise verarbeiten. Man setzt sich persönliche Ziele. Die Verantwortlichen müssen ihre gerechte Strafe bekommen, an diesem Ort muss auf ewig dieser Tragödie gedacht werden, der für die Stadt Duisburg beschämende Oberbürgermeister darf diese nicht länger repräsentieren. Er ist nicht Duisburg sondern wir.  

Hamborner Schwelgern Stadion
Hamborner Schwelgern Stadion

Da war er wieder, der alte Kampfgeist der mich immer ausgezeichnet hat und der mir über so manchen Schicksalsschlag hinweg geholfen hat. Heute steht am Ort des Unglücks die für Betroffene und Angehörige so wichtige Gedenkstätte. Adolf Sauerland wurde mit Schimpf und Schande in einer grandiosen Abwahl aus dem Amt verjagt. Zu beiden konnte ich meinen bescheidenen Anteil beitragen.

Wer die letzten Wochen  verfolgte weiß dass die moralisch verantwortlichen sicherlich nie zur Rechenschaft gezogen werden. Was nützt da noch ein gerichtliches Verfahren das rüberkommt wie ein Scheinprozess bei dem man nur die kleinen hängen will. Eine Sache mit der man sich wohl abfinden muss, doch kann ich gemeinsam mit Freuden sagen: „ Wir haben alles versucht“. Ein Gefühl das man mit guten Gewissen mitnehmen kann. Dieser gefühlten Niederlage steht immer gegenüber das die Betroffenen dieses Unglücks und hoffentlich nie eintretender Katastrophe durch eine gut aufgestellte Stiftung versorgt sein werden zu der man auch seinen Teil betragen konnte. 

Man kann nicht alle Ziele erreichen aber das erreichte kann sich sehen lassen und gibt einen das Gefühl einer inneren Ruhe. Gut so,, auch dieser Ort hat seine Pflicht erfüllt.

Ich reise weiter durch meine diese Stadt, die Gedanken werden langsam klarer. Ich fahre Richtung Hamborn mache einen kurzen Zwischenstopp am alten Hamborner Schwelgern Stadion oder besser gesagt das was davon noch übrig ist. Kein Ort zum Denken, also weiter zum Landschaftspark Duisburg Nord. Nicht nur meiner einer hatte an diesem sonnigen Tag diesen Gedanken, Eltern mit Kindern auf ihren Fahrrädern wuseln durch den Park. Sie haben Spaß, aber kein Ort zum Nachdenken also führt mich mein Weg noch einmal an die Gedenkstätte der Loveparade. 

Dieser Ort hat mir in den letzten Jahren oft halt und Kraft gegeben, doch heute hat er eine andere Aufgabe. Es sind noch einige Besucher da doch nach einer kurzen Zeit sind auch diese nicht mehr da. Die Gedanken können sich ihren Weg suchen, der Straßenlärm blendet sich aus, man lehnt sich gegen die Wand hinter der Sitzbank. Eines gibt es noch was einem im Kopf herum spukt. Diese hat mit der Lopa nichts zu tun und ist rein privat. Einem Menschen der mir in den letzten Jahren den nötigen Halt gegeben hat um nicht den Mut und die Kraft für all das zu verlieren. Ohne ihn, na sagen wir mal ohne diese beiden, hätte ich das ganze bis zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht durchhalten können. Ich habe die letzten Wochen mit Dir noch einmal intensiv und leidenschaftlich genießen dürfen und dafür bin ich Dir unendlich dankbar. 

Ich hoffe Du kannst mir verzeihen.

Wer sich nun fragt wo mein alter Kampfgeist geblieben ist.

Keine Sorge, er ist nicht weg, er ist nur schon einmal vorgegangen.

Ich bin mit mir im reinen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Mehr von mir findet ihr hier.

Weitere Webseiten oder einzelne Rubriken auf dieser Seite. Einfach die Bilder anklicken ;-) 

Gründer und Mitglied des Beirates der Stiftung "Duisburg 24.07.2010"

Dirk Schales
Mehr über mich findet ihr hier
Dirk Schales
Zu meinem YouTube-Kanal
Dirk Schales
Zu meinem Bilderblog
Dirk Schales
zum MSV Archiv
Dirk Schales
BI Gegen das Vergessen
BI LoPa 2010
BI LoPa 2010
Konni Hendrix
Never Forget den Opfern der Loveparade

Eindruckvolles Bildband zur Lopa 2010 mit einem Interview meinerseits

KarusselBremser-ein PaketSchubserProjekt (Jasons Blog)
KarusselBremser-ein PaketSchubserProjekt (Jasons Blog)
Semmelchens Atase
Semmelchens Atase